Das Lächeln des Boris Johnson.

Es ist 21.47 Uhr am 25. August 2019. Marietta Slomka moderiert im heute journal den Überraschungsbesuch des iranischen Außenministers Dscharad Sarif in Biarritz an, wo parallel der G7 Gipfel tagt. Eingefädelt von Emmanuel Macron, um den Atomstreit zwischen den USA und Iran zu schlichten und die Spannungen weiter zu entschärfen. Ein Coup, der keinem der anwesenden Gäste im Vorfeld bekannt war und von dem Angela Merkel sagt, dass es ein Parallelereignis sei. 24 Stunden später wurde das Gerücht gestreut, die US-Regierung wäre involviert gewesen.

Im Beitrag ist eine kurze Sequenz zu sehen, in der Boris Johnson Macron noch vor der ersten Sitzung kräftig die Hand schüttelt und ihm gratuliert. „Super gemacht – clever verhandelt gestern Abend.“, sind seine lobenden Worte. Dabei sind seine Mundwinkel die ganze Zeit nach oben gezogen, der Kopf schwenkt leicht Richtung Kamera. Zu diesem Zeitpunkt weiß noch niemand, warum er ihm gratuliert.

Wann lächeln wir eigentlich? Und aus welchem Grund? Diese Fragen sind besonders spannend, wenn wir uns solche Sequenzen betrachten oder aber uns selbst in einem Gespräch befinden, bei dem es wichtig wäre zu wissen, welches Lächeln mir mein Gegenüber gerade „schenkt“. Denn wir lächeln nicht nur, wenn wir uns freuen.

Nach aktueller Forschung aus dem Jahr 2018, lächeln wir neurobiologisch-sozial betrachtet, aus vier Gründen, die Paula Niedenthal, Psychologin und Studienleiterin von der Universität of Wisconsin-Madison, mit ihrem Team herausgefunden hat.

Zeigen wir das sogenannte Belohnungslächeln – Hochziehen der Mundwinkel und Kontraktion des Augenringmuskels – dann senkt das sowohl die Cortisol-Werte (Stresshormon) bei unserem Gegenüber als auch bei uns. Der emotionale Auslöser ist hierbei hauptsächlich echt erlebte Freude. Es drückt unsere glückliche Stimmung aus und signalisiert Spaß und Freiheit. Ein Lächeln, das Boris Johnson in diesem Fall nicht zeigte.

Das zweite Lächeln ist das Kooperationslächeln und zeigt sich in der Mimik, durch das Hochziehen der Mundwinkel, häufig kombiniert mit einem Kopfnicken. Dieses Lächeln drückt Verbundenheit aus und signalisiert, dass wir keine Bedrohung darstellen. Es ist sozial motiviert. Genau dieses Lächeln zeigt Boris Johnson in Kombination mit einem bestätigenden Kopfnicken.

Mache diese mimische und nickende Bewegung einfach nach, und beobachte, welche Empfindung bei dir auftritt. In der Regel: eine innerliche Bestätigung und Zustimmung. Boris Johnson ist in dieser kurzen Sequenz absolut kongruent. Sowohl mimisch als auch verbal, zollt er Macron Respekt für dessen Schachzug. Ein Moment in dem Macron mimisch mit einem Belohnungslächeln reagiert.

Das nächste Lächeln, das wir weniger als angenehm empfinden, ist das sogenannte Dominanzlächeln. Sind wir Menschen diesem Lächeln ausgesetzt, erhöhen sich die Cortisolwerte (Stresswerte) im Blut. Denn dieser Ausdruck signalisiert unbewusst den situativen Hoch-Status des Gegenübers und ist damit sozial motiviert. Mimisch ist dieses Lächeln nur auf einer Seite des Mundwinkels zu sehen, gepaart mit einem leichten Einpressen der Wange. Hinzu kommt noch das Anheben des Kopfes bzw. des Kinns. Ein Signal, welches häufig bei Donald Trump anzutreffen ist. Bei der Person, die es zeigt, wird der Neurotransmitter Tes-tosteron ausgeschüttet, welcher uns nachweislich in einen höheren sozialen Status versetzt.

Das vierte Lächeln ist das sogenannte Zensurlächeln, ein maskierendes Lächeln. Mit ihm verstecken wir z.B. unangenehme Emotionen, die wir kurz zuvor empfunden haben und un-serem Gegenüber nicht zeigen wollen. Wobei es hier nicht nur um die Maskierung für unser Gegenüber geht. Nein, mit diesem Lächeln senken wir auch unseren empfundenen Stress und können akute Empfindungen relativieren. Übertragen wir dieses Lächeln auf einen Ge-sprächskontext, ist es also wichtig zu sehen, welche Emotion dein Gegenüber vor dem Lächeln gezeigt hat.

Wenige kleine und feine Unterschiede, die die Ergebnisse unsere Kommunikation stark beeinflussen. Denn die subtilen Bewegungen beim Lächeln und der Kopfhaltung sind entscheidend dafür, was unser Gegenüber tatsächlich empfindet und welchen Einfluss das auf die Gesprächsdynamik und damit auf die weitere Beziehung hat.
Mich stimmt positiv, dass Boris Johnson, im Gegensatz zu Donald Trump, häufig das Kooperationslächeln zeigt. Wie bei einem Schüler, der neu in eine Klasse gekommen ist und dazugehören will. Und das wird sich positiv auf die Verhandlungen mit der EU auswirken. Denn Boris Johnson hat jetzt als Verhandlungspartner „die Brücke“ betreten. Ein bekanntes Zitat aus China lautet: „Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“

Alle weiteren Facetten unserer Mimik und der nonverbalen Kommunikation, kannst du mit mir in der Mimikresonanz®-Master-Ausbildung lernen, die ab dem 5. Dezember 2019 wieder startet. Ich freu mich auf dich!

In diesem Sinne viel Erfolg und Neugierde bei der zukünftigen Betrachtung eines lächelnden Gesprächspartners.
Herzlichst
Eure Wiebke Marschner

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Wiebke Marschner

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