Flugangst – wenn die Angst mal schlafen geht

Letzte Woche Mittwoch war mal wieder so ein Tag in dem mehr drinsteckte, als eigentlich in eine ganze Woche hineinpasst. Mein erster Drehtag mit insgesamt vier Videos für die startende 12-Wochen-Emotions-Challenge. Kameras, Tageslichtscheinwerfer, Headset – alles sehr aufregend. Denn die Frage lautete: Wie bringe ich, verflixt nochmal, komplexe Sachverhalte innerhalb von maximal 2 Minuten auf den Punkt? Für mich als sprechbegeisterten Menschen keine leichte Aufgabe. Nach drei Stunden quatschen war dann aber doch einiges im Kasten und ich hatte Fussel am Mund.

Gleich danach ging es auf zum Koffer packen und zum Flughafen, weil der nächste Termin in Berlin wartete. Also nichts wie los. Der Flieger war wieder voll bis unter die Dachkante und ich ging als eine der letzten an Bord. Reihe 37, mittlerer Platz. Schnell reinquetschen, ein kurzes Lächeln vom Nachbarn am Gang.

Rechts am Fenster eine Frau mittleren Alters. Ebenfalls ein Lächeln, aber maskierend. Fahrige Handbewegungen durchs Haar. Nervöses Einstöpseln der Kopfhörer. Ihr Blick ist geweitet und schweift unruhig durch das noch stehende Flugzeug. Sie leckt sich mehrfach die Lippen und ich denke: „Hoppla, nonverbale Stresssignale ohne Ende…“ Mein Coach-Herz hüpft ein bisschen vor Freude, was aus normaler Sichtweise natürlich völlig unverständlich ist.

Aber hier sind gerade die Symptome von Flugangst sichtbar. Eine Belastung, von der weit mehr Menschen betroffen sind, als man im Allgemeinen glauben mag.

Um ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken, spreche ich die Frau freundlich an und bitte sie mit meinem Handy ein Foto aus dem Fenster zu machen. Freudig überrascht stimmt sie zu und beginnt selbst Fotos zu machen. „Oh, die schicke ich gleich meiner Schwester.“, sagt sie. „Ich sitze nämlich seit Jahren das erstmal wieder in einem Flugzeug am Fenster. Mir geht es nicht so gut, wissen Sie. Aber ich habe hier auf dem Handy Beruhigungsmusik damit ich mich entspanne.“

Wie Angst unser Leben retten kann

Bevor hier der Eindruck entsteht Angst sei eine schlechte Emotion: Weit gefehlt. Grundsätzlich ist Angst in ihrer Funktion eine Emotion, die da ist, um unser Leben zu retten. Denn empfinden wir Angst, signalisiert uns unser limbisches System: „Achtung, Gefahr im Verzug!“ Frei nach dem Motto: „Nimm die Beine in die Hand und sieh zu, dass du wegkommst.“ Eine mehr als nötige Emotion, wenn wir daran denken, dass unsere Wurzeln eher in den Savannen dieser Welt zuhause sind – mit Gefahren die mehr und längere Zähne haben als wir. Hätten unsere Vorfahren in solchen Situationen erstmal nachgedacht, also z.B. argumentiert, dann gäbe es wohl einige von uns nicht.

Heute begegnen wir Tigern in der Regel eher weniger, dennoch sind unsere Emotionen und die damit verbundenen Bedürfnisse gleichgeblieben.

Psychologisch betrachtet ist Angst also dazu da, die empfundene Bedrohung zu vermeiden oder den erwarteten Schaden zu reduzieren. Angst aktiviert damit unsere Vermeidungsmotivation und fokussiert uns auf Flucht, um der drohenden Gefahr zu entgehen. Das tiefe Bedürfnis dahinter ist innere Sicherheit zu erleben.  

Vor meiner Jagdprüfung z.B. hatte ich Angst. Angst, die Prüfung nicht zu bestehen. Diese Angst hat mich angetrieben zu lernen, damit ich mit dem sicheren Gefühl in die Prüfung gehe kann „alles dafür getan zu haben.“ Wunderbar. Du siehst also, dass Angst sehr nützlich sein kann, um uns vor Gefahren zu beschützen.

Von der Funktion zur Dysfunktion

„Aber fliegen ist doch keine Gefahr!“ mag der ein oder andere denken, wenn er an die oben beschriebene Situation im Flugzeug denkt. Hier greift das Motto: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Denn unsere Emotionen können aufgrund unserer Erfahrungen und Erlebnisse von der Funktion in die Dysfunktion abgleiten, wobei eine vermeintlich lapidare Handlung zu einer großen Herausforderung werden kann. Sogar bis hin zur völligen Blockade.

Welche Intervention wende ich als Coach in solch einem Fall an? Wie kann ich schnell und unkompliziert einem Menschen in Not helfen? Und welche Interventionen helfen, mal Hand aufs Herz, tatsächlich? Fragen, die sich, glaube ich, jeder Coach oder Therapeut schon einmal gestellt hat. Denn Interventionstechniken gibt es bekanntlich, wie Sand am Meer.

Die Zukunft des Coachings

Der Erfolg einer jeden Coachingsitzung, wie auch einer Psychotherapie, hängt laut der aktuellen wissenschaftlichen Forschung vor allem davon ab, wie gut es dem Coach oder Therapeuten gelingt, die mitgebrachten Ressourcen beim Klienten zu aktivieren*. Vor allem zu Beginn als auch am Ende der Sitzung**. Die Ressourcenaktivierung ist damit neben der therapeutischen Allianz der wichtigste Wirkfaktor im Emotionscoaching.

Ressourcen? Was bitte sind Ressourcen? Nachdem die Dame sich so ehrlich und gleichzeitig sorgenvoll offenbart hatte, sind wir schnell im Gespräch gewesen, bei dem es zu Beginn „nur“ um Flugangst ging. Viel spannender war, wie sehr sie sich für gesunde Lebensmittel und Essen interessiert und freute, was das für positive Auswirkungen auf ihre und meine Gesundheit hat. Die „Allianz“ (Beziehung) war gefunden und mit ihr die Ressource. Schritt eins und drei eines erfolgreichen Emotionscoaching. Und damit konnte bei der netten Dame die dysfunktionale Angst „mal schlafen gehen.“

Nutze auch du die Macht des Emotionscoaching

Als emTrace®-Coach und Lehrtrainer bin ich nicht auf eine spezifische Interventionstechnik festgelegt, sondern führe verschiedene Ansätze zusammen, indem ich mich auf die fünf übergeordneten Wirkfaktoren erfolgreicher emotionaler Veränderungsarbeit konzentriere.

Wenn auch du in deinem Alltag als Trainer, Coach oder Therapeut die fünf Wirkfaktoren des Emotionscoaching einsetzen möchtest, dann freue ich mich auf deine Teilnahme an der emTrace®-Coach-Ausbildung. Werde jetzt zum emTrace®-Coach!

Folgende Termine stehen dir dafür zur Verfügung:

30. Januar – 02. Februar 2020 (Donnerstag bis Sonntag) | Die denkbar®, Wilhelmstraße 62, 65183 Wiesbaden | www.denkbar.coach | Diese Ausbildung ist ausgebucht!

07. – 10. Mai 2020 (Donnerstag bis Sonntag) | Noch drei freie Plätze!
Die denkbar®, Wilhelmstraße 62, 65183 Wiesbaden | www.denkbar.coach

03. – 06. September 2020 (Donnerstag bis Sonntag) |
Die denkbar®, Wilhelmstraße 62, 65183 Wiesbaden | www.denkbar.coach

Herzliche Grüße und eine ressourcenvolle Woche!

Deine Wiebke Marschner

 

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Wiebke Marschner

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