Die Tit-for-Tat-Strategie sichert langfristigen Erfolg
„…für die Mehrheit die gerade denken und auch noch alle Tassen im Schrank haben, und nicht für irgendwelche grünen und linken Spinner auf dieser Welt…“
Stellen Sie sich vor, dass derjenige der das gerade über Sie gesagt hat kurze Zeit später auf Sie zukommt, um von Ihnen die Zusammenarbeit für die nächsten vier Jahre zu verlangen. Der Gedanke ist möglicherweise bizarr und ich bin mir nicht sicher, ob Sie oder ich solch einem Vorschlag zustimmen würden.
Generalsekretär der SPD Matthias Miersch brachte die Empfindung nach dem letzten Wahlkampfauftritt von Friedrich Merz in München, auf den Punkt und sprach vom Tiefpunkt: „Statt zu einen, entscheidet sich Merz, noch einmal richtig zu spalten. So spricht niemand, der Kanzler für alle sein will – so spricht ein Mini-Trump“.
Apropos Trump. Einer seiner aktuellen Aussagen lautet: „Wenn sie nicht zustimmen, dann könnte die Ukraine irgendwann russisch sein oder auch nicht – aber ich will dieses Geld zurück.“
Seien wir ehrlich: Im Minutentakt und ohne, dass man noch wirklich hinterherkommt, wird gerade auf der Weltbühne unseres Miteinanders Porzellan zertrümmert. Nicht nur eine Tasse oder ein Teller. Nein, ganze Porzellankisten, Geschirrschränke und Co. und das, was zurückbleibt ist eine Fassungslosigkeit mit dem Gedanken im Kopf „das hat er nicht wirklich gesagt…“. Doch hat er.
Womit unweigerlich die Frage aufkommt: Sind wir wieder in einer Zeit angekommen, in der nur die Macht des Stärkeren gilt? Nein sind wir nicht! Nur leider in einer Zeit, in der wir „unangenehme Stärke“ nicht mehr gewöhnt sind. Warum? Weil wir den Umgang damit verlernt haben.
Denn Stärke und Machtdemonstrationen sind beängstigend, persönliche Beleidigungen sind zerstörerisch und Drohungen verleiten uns zu Rückzug. Im schlimmsten Fall verleiten sie uns sogar zu Zugeständnissen, die wir hinterher bitter bereuen.
Verstehen wir den dahinterliegenden Mechanismus, die Struktur und das Muster, lässt sich aber mit „vermeintlicher“ Stärke, persönlichen Beleidigungen und auch mit Drohungen umgehen.
Einer der ältesten und erfolgreichen Verhandlungsstrategien lautet „Tit-for-Tat“ oder auch „Wie du mir so ich dir.“ Robert Axelrod, Politikwissenschaftler hat es im Rahmen seiner Forschungen zu egoistischen Individuen so auf den Punkt gebracht.
Nicht die raffinierteste, auch nicht die aggressivste, nicht die sanfteste Strategie sichert langfristig Erfolg, sondern die grundsätzlich wohlwollende, aber stets vergeltungsbereite: TIT FOR TAT, „wie Du mir, so ich Dir“-Strategie.
Es hätte weder moralisch noch taktisch sein müssen, dass Merz von „grünen und linken Spinnern“ spricht. Gleichzeitig und aufgrund des Wahlergebnisses, bringt es die SPD in eine starke Verhandlungsposition. Vergessen wir also nicht: „Macht“ lässt sich entmachten.
Es kommt somit nicht darauf an was unser Gegenüber sagt, sondern wie wir darauf regieren.
Souveränität, Präzision & klare Forderungen, sind dafür die Grundpfeiler.