Magische Momente

Magische Momente, die Ehrfurcht erzeugen

„Im Moment sieht es so aus, als ob meine Generation, euch den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen wird.“ Diese Worte sagt Alexander Gerst, Kommandant der Expedition 57, in seinem fünfminütigen Video, welches gerade um die virtuelle Welt geht.

Er ist zu diesem Zeitpunkt auf der Internationalen Raumstation ISS, im Cupola Aussichtsmodul mit Blick auf den Planeten Erde. Im Hintergrund sieht man 400 km entfernt schneebedeckte Gipfel, eine unendliche Weite, die Ozeane und immer wieder Sonnenstrahlen, die hinter der Erde aufleuchten.

Bei diesen Bildern und bei seinen Worten rennt mir eine Gänsehaut den Nacken hinunter – ein magischer Moment. Fasziniert bemerke ich, dass es sich bei dem Gefühl, welches mich da gerade beschleicht, um „Ehrfurcht“ handelt. Zum einen, wegen der Schönheit der Bilder und zum anderen wegen seiner Worte.

Ehrfurcht

Die Emotion Ehrfurcht gehört gemeinsam mit Dankbarkeit, Mitgefühl und Liebe zu den sogenannten selbsttranszendenten Emotionen. Diese selbsttranszendenten Emotionen zeichnen sich dadurch aus, dass wir unser eigenes Ich als klein empfinden. Wir empfinden etwas, was wir im Außen erleben als groß und irgendwie unerklärlich. Und wir wollen das, was wir da gerade erleben, sinnig verstehen und uns erklären können.

Alexander Gerst hat es in diesen fünf Minuten geschafft, die Größe der Schöpfung sichtbar zu machen. Wie groß und wie unendlich weit das Universum ist, und wie winzig dazu unser Planet Erde, geschweige denn wir Menschen sind. Obwohl ich mich in diesem Moment sehr klein fühlte, habe ich das Bedürfnis verspürt, zu handeln. Wenn man die Posts bei Facebook, Instagram und Co. liest, geht es vielen anderen genauso.

Was Ehrfurcht auslöst

Ehrfurcht fördert prosoziales Handeln. Weil wir uns kleiner fühlen, schließen wir uns getreu dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“, mit anderen Menschen in Gruppen zusammen, damit wir das, was wir als groß empfinden, gemeinsam verstehen und einordnen können.

Man geht sogar davon aus, dass Ehrfurcht das Gefühl war, dass die Gelehrten der letzten Jahrhunderte motivierte, die Dinge die sie sahen, aber nicht verstanden, zu erforschen, um das bis dato unverständliche, erklärbar machen zu können.

Könnte Ehrfurcht sprechen, würde das Gefühl wohl folgendes sagen: „Erweitere deine Perspektive, erweitere deine Sichtweise, sei offen, überdenke dein eigenes Konzept.“

Die Forschung beschreibt mit dem Akronym „awe-SOMES“, insgesamt fünf Auslöser für Ehrfurcht. Schönheit, ästhetische Dinge die wir nicht erklären können. Obskurität, übernatürliche Dinge wie z.B. Wunder oder Zauberei. Meisterschaft, übermenschliche Leistungen wie im Spitzensport – die fähigkeitsbasierte Ehrfurcht. Erschaudern, Donnergrollen und Naturgewalten – die furchtbasierte Ehrfurcht. Stärke, herausragende Persönlichkeiten wie z.B. Mahatma Gandhi – die tugendhafte Ehrfurcht.

Auswirkungen

Ehrfurcht gilt wegen ihrer Wirkung auf uns, als die neue Super-Emotion in der Psychologie. Denn Ehrfurcht hilft uns dabei, ein offenerer und gesünderer Mensch zu werden. Studien haben gezeigt, dass alleine das regelmäßige Erleben von Ehrfurcht die Entzündungsraten in unserem Körper verringern kann. Stärker noch, als es bei Freude oder Stolz der Fall ist.

Ehrfurcht sorgt dafür, dass wir uns für neue Informationen öffnen, kreativer Denken, und unser Leben und unser Miteinander achtsamer gestalten. Jeder ehrfürchtige Moment in unserem Leben, ist also ein Geschenk. Es lohnt sich also für jeden von uns, diese intensiv zu erleben.

Mikrotraining

Damit das klappt und du im neuen Jahr deine Wahrnehmung noch besser trainieren kannst, habe ich hier eine kleine Trainingseinheit für dich. Diese Übung kannst du jederzeit in deinem Alltag einbauen, wenn ein „ehrfürchtiger“ Moment um die Ecke kommt:

Achte darauf, in welchem Moment du dich ehrfürchtig fühlst. Und durch was dieser Moment, dieses Gefühl, genau ausgelöst wurde. Z.B. beim Schauen einer Fernsehdokumentation über Nationalparks mit unendlich schönen Landschaften und der Tier und Pflanzenwelt. Dazu hilft es, sich in eine aufrechte Körperhaltung zu begeben und alle fünf Sinne zu aktivieren. Was siehst du in diesem Moment? Was hörst du? Was schmeckst du evtl. gerade? Was kannst du fühlen? Und was riechst du? Dadurch wird die Empfindung intensiver und hat somit größere Auswirkung auf deinen Körper und Geist.

Empfinden wir Ehrfurcht, handeln wir prosozialer, sind achtsamer, offener für neue Informationen und Ideen. Dinge, die wir alle brauchen und die immer wichtiger werden in unserer heutigen Gesellschaft.

Deshalb wünsche ich dir für das neue Jahr viele magische Momente, die deine Perspektive erweitern, die Sichtweise offen werden lassen und mit dem du deine Konzepte überdenken kannst.

Ein herzlicher Gruß, einen schönen Übergang in das neue Jahr und danke an Alexander Gerst.

Deine Wiebke Marschner

Wenn du bereits heute einen kleinen Moment der Ehrfurcht erleben möchtest, dann findest du hier https://www.facebook.com/improvemagch/videos/2156292121098358/ den Film von Alexander Gerst.

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Wiebke Marschner

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